Ulcinjs osmanische Altstadt: Mauern, Moscheen und Meerblick

Ein Rundgang durch das befestigte Viertel ueber dem Hafen — 2.500 Jahre Schichtgeschichte von den Illyrern bis zu den Osmanen.

Steinschichten, Zeitschichten

Ulcinjs Altstadt thront auf einem Felsvorsprung, der an drei Seiten steil ins Meer abfaellt. Der Ort ist seit mindestens 2.500 Jahren ununterbrochen befestigt. Die Illyrer errichteten die ersten Mauern. Die Roemer erweiterten sie. Die Venezianer fuegten Bastionen und ein Seetor hinzu. Die Osmanen hielten die Stadt ueber drei Jahrhunderte lang und hinterliessen Moscheen, Hamams und die engen Steingassen, die das Stadtbild bis heute praegen.

Was die Altstadt so besonders macht, ist die Dichte dieser Schichtung. Man kann auf einer venezianischen Bastion stehen und auf roemische Fundamente hinabblicken, sich dann umdrehen und ein osmanisches Minarett sehen, das ueber einer Dachlinie aufragt, die sich seit dem 17. Jahrhundert kaum veraendert hat. Nirgendwo sonst an der montenegrinischen Kueste findet man so viel Geschichte auf so engem Raum.

Der Eingang

Es gibt zwei Tore. Der Haupteingang befindet sich auf der Landseite und ist ueber einen kurzen Aufstieg vom Stadtzentrum zu erreichen. Das zweite ist ein kleineres Seetor an der Westmauer, das zu einer Treppe fuehrt, die zu den Felsen hinabsteigt. Fahren Sie zum Parkplatz am Fuss der Mauern — ausserhalb von Juli und August ist er kostenlos — und gehen Sie durch das Haupttor hinauf. Der Aufstieg dauert zwei Minuten.

Blick von den Mauern der Altstadt von Ulcinj ueber die Adria

Die Moscheen innerhalb der Mauern

Die Seemannsmoschee (Dzamija Namazgjah) steht gleich hinter dem Haupttor. Sie wurde 1719 erbaut und diente der osmanischen Garnison. Das Minarett ist eines der hoechsten Gebaeude innerhalb der Mauern und dient als nuetzlicher Orientierungspunkt. Die Moschee ist ausserhalb der Gebetszeiten in der Regel fuer Besucher geoeffnet — ziehen Sie am Eingang die Schuhe aus.

Eine zweite, kleinere Moschee steht nahe der suedlichen Bastion. Von ihrer Terrasse kann man an klaren Tagen ueber die Meerenge bis zur albanischen Kueste blicken. Wenn Sie in den ruhigeren Monaten zu Besuch sind, verbinden Sie die Altstadt mit einer Fahrt zur Valdanos-Bucht am selben Nachmittag — die Strasse nach Norden dauert etwa 15 Minuten.

Entlang der Mauern

Der Befestigungsrundgang ist kein formeller Weg wie in Dubrovnik oder Kotor. Stattdessen bahnt man sich seinen Weg entlang der Abschnitte, wo der Stein stabil genug ist. Der beste Abschnitt verlaeuft entlang der Westmauer ueber dem Meer, wo der Abhang steil ist und der Blick bis zu den Inseln vor der albanischen Kueste reicht. Am spaeten Nachmittag taucht das Licht den Stein in Gold und die Adria faerbt sich tiefblau.

Nach der Erkundung der Mauern gehen Sie durch das Seetor hinunter zu den Felsen zum Schwimmen. Das Wasser ist hier tief, klar und vor dem Nachmittagswind geschuetzt. Dann zurueck in die Gassen zum Abendessen — unser Fuehrer zu den Fischrestaurants von Ulcinj.

Das Ethnographische Museum

Ein kleines Museum innerhalb der Mauern beherbergt Artefakte aus der Osmanenzeit, alte Fotografien der Stadt und eine Sammlung traditioneller Trachten aus der Region Ulcinj. Die Ausstellungen sind bescheiden, aber gut kuratiert. Planen Sie 20 Minuten ein. Das Museum ist montags geschlossen.

Praktische Tipps

  • Beste Zeit: Spaeter Nachmittag fuer das beste Licht und kuehlere Temperaturen. Die Westmauern blicken zum Sonnenuntergang.
  • Schuhwerk: Die Pflastersteine sind glatt poliert. Turnschuhe oder Sandalen mit Profil — keine Flip-Flops.
  • Parken: Kostenloser Parkplatz am Fuss der Mauern. Kostenpflichtig im Juli–August (2 EUR/Stunde).
  • Sonnenuntergang: Die westliche Bastion ist der beste Aussichtspunkt fuer den Sonnenuntergang in Ulcinj. Im Sommer 30 Minuten frueher kommen.

Auf einen Blick

EintrittKostenlos (Museum 2 EUR)
Dauer1–2 Stunden
ParkenKostenlos (Jul–Aug kostenpflichtig)
Beste ZeitSpaeter Nachmittag