Die Bucht, die niemand erwaehnt
Die Valdanos-Bucht liegt etwa 5 km noerdlich von Ulcinj, eingeklemmt zwischen zwei Landzungen und von der Hauptstrasse aus unsichtbar. Die Bucht ist klein — vielleicht 300 Meter breit — und an drei Seiten von steilen Huegeln umgeben, die mit Olivenbaeumen bedeckt sind. Das Wasser ist tief, klar und vor der offenen See geschuetzt. In einer Region, die ihren 12-km-Strand vermarktet, wird Valdanos kaum erwaehnt.
Es gibt kein Hotel, kein Resort, keinen Strandclub. Einige verlassene Gebaeude eines sozialistischen Ferienzentrums stehen ueberwuchert zwischen den Oliven und verleihen eine leicht postapokalyptische Atmosphaere, die manche Besucher schoen und andere unheimlich finden. Der Strand ist kiesig, das Wasser hervorragend zum Schnorcheln, und das Gesamtgefuehl ist das eines Ortes, den der Tourismus vergessen hat.
Anfahrt
Von Ulcinj fahren Sie auf der Hauptstrasse Richtung Bar nach Norden. Nach etwa 3 km fuehrt eine ausgeschilderte Abzweigung nach links zur Valdanos-Bucht. Die Strasse wird sofort enger und schlängelt sich etwa 2 km bergab durch dichte Olivenhaine, bevor sie sich zur Bucht oeffnet. Der Belag ist geteert, aber stellenweise rau — jedes Auto kommt durch, aber nehmen Sie die Kurven langsam.
Parken Sie am Ende der Strasse, wo der Asphalt auf den Strand trifft. Es gibt keine Einrichtungen — keine Toiletten, keine Geschaefte, keine Schattenstrukturen. Bringen Sie alles mit, was Sie fuer den Tag brauchen. Auf dem Rueckweg biegen Sie nach links Richtung Mirovica ab, um die Altstadt zu besuchen oder weiter zum Alten Olivenbaum zu fahren.

Die Olivenhaine
Die Huegel rund um Valdanos beherbergen schaetzungsweise 10.000 Olivenbaeume, viele davon jahrhundertealt. Die Haine gehoeren zum selben landwirtschaftlichen Guertel, der sich von Ulcinj bis Bar erstreckt und einige der besten Olivenoele des westlichen Balkans produziert. Durch die Haine oberhalb der Bucht zu spazieren ist ein ruhiges, meditatives Erlebnis — die Baeume filtern das Licht und die Luft riecht nach warmem Harz. Mehr zum Olivenerbe der Region finden Sie in unserem Fuehrer zum Alten Olivenbaum und zum Olivenpfad.
Schwimmen und Schnorcheln
Das Wasser in Valdanos gehoert zum klarsten an der montenegrinischen Kueste. Der kiesige Meeresboden faellt schnell ab, was es ideal zum Schnorcheln macht — Seeigel, kleine Fische und gelegentlich Kraken sind nahe der Felsen auf beiden Seiten der Bucht sichtbar. Die Bucht ist vor dem vorherrschenden Suedwestwind geschuetzt, so dass das Wasser auch dann ruhig bleibt, wenn die Velika Plaza unruhig ist.
Das verlassene Resort
In den 1970er und 1980er Jahren betrieb man an der Ostseite der Bucht eine Ferienanlage. Die Gebaeude stehen seit Jahrzehnten leer und werden teilweise von der Vegetation zurueckerobert. Plaene fuer eine Neuentwicklung wurden wiederholt angekuendigt und wieder verworfen. Vorerst tragen die Ruinen zur Atmosphaere wohltaetiger Vernachlaessigung der Bucht bei — eine Erinnerung daran, dass nicht jeder schoene Ort in Montenegro ein Fuenf-Sterne-Hotel braucht.
Praktische Tipps
- Strasse: Geteert, aber schmal mit engen Kurven. Fahren Sie langsam und hupen Sie in unuebersichtlichen Kurven — Gegenverkehr hat keinen Platz zum Ausweichen.
- Mitbringen: Wasser, Essen, Sonnenschutz, Schnorchelausruestung. An der Bucht gibt es keinerlei Einrichtungen.
- Beste Zeit: Morgens zum Schwimmen (ruhiges Wasser, weiches Licht). Nachmittags fuer die Olivenhaine (Goldene Stunde durch die Baeume).
- Menschenmassen: Selbst im August hat Valdanos selten mehr als ein Dutzend Besucher. An Wochentag-Vormittagen haben Sie den Ort moeglicherweise fuer sich allein.