Eine Stadt, von der Landkarte geloescht
Sas — auch Svac oder Svac geschrieben — war eine befestigte Handelsstadt auf einem Huegel ueber dem Bojana-Flusstal, etwa 10 km oestlich von Ulcinj. Im 13. und 14. Jahrhundert war sie eine wohlhabende Kaufmannssiedlung mit Kirchen, einer Kathedrale, Verteidigungsmauern und Handelsverbindungen ueber die gesamte Adria. Manche mittelalterlichen Quellen beschreiben sie als Rivalin Dubrovniks an Reichtum und Einfluss.
Die Stadt wurde Ende des 14. Jahrhunderts von den Osmanen geplundert. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Ueber die Jahrhunderte zerstreute sich die Bevoelkerung, die Gebaeude zerfielen und das Marschland rueckte vor. Heute stehen die Ruinen weitgehend unausgegraben auf einem niedrigen Huegel, umgeben von Feuchtgebiet und Ackerland — von der Strasse sichtbar, aber von fast niemandem besucht.
Anfahrt zu den Ruinen
Von Ulcinj nehmen Sie die Strasse nach Norden Richtung Bar. Nach etwa 5 km biegen Sie an der ausgeschilderten Kreuzung fuer Sas/Svac rechts ab. Eine einspurige Strasse fuehrt durch flaches Ackerland, etwa 3 km, bevor sie den Fuss des Huegels erreicht. Parken Sie dort, wo die Strasse endet, und gehen Sie etwa 10 Minuten den Huegel hinauf zu den Festungsmauern.
Die Strasse fuehrt durch dasselbe Flusstal, das Fahrer auf dem Weg zum Skadarsee ueber das Suedufer nutzen — beide Ziele lassen sich zu einer halbtaegigen Rundfahrt verbinden.

Was Sie vorfinden
Die Festungsmauern stehen stellenweise noch mehrere Meter hoch. Innerhalb des Mauerrings ist der Grundriss einer Kathedrale deutlich erkennbar — die Apsis, das Langhaus und Fragmente geschnitzter Steinportale. Kleinere Gebaeudefundamente verteilen sich ueber den Hang. Wildblumen und niedriges Gestruepp wachsen zwischen den Steinen. Es gibt keine Informationstafeln, keine Kasse und keinen Fuehrer.
Die Aussicht vom Huegelkamm lohnt den Aufstieg allein schon. Die Bojana maeandriert durch flaches, gruenes Feuchtgebiet, im Sueden erheben sich die Berge Albaniens und im Westen glaenzt die Adria. An einem ruhigen Morgen sind nur die Voegel Ihre Gesellschaft.
Das Bojana-Flusstal
Die Landschaft um Sas ist Teil der Bojana-Flussaue — flach, gruen und vogelreich. Reiher, Silberreiher und Kormorane arbeiten die flachen Kanaele ab. Die Gegend fuehlt sich voellig anders an als der Kuestenstreifen wenige Kilometer entfernt. Wenn Sie sich fuer die historischen Schichten der Region Ulcinj interessieren, verbinden Sie Sas mit einem Besuch der Altstadt-Festung.
Praktische Tipps
- Zugang: Der letzte Abschnitt zum Huegelkamm ist ein unmarkierter Fussweg durch Gestruepp. Keine Einrichtungen, kein Schatten.
- Schuhwerk: Turnschuhe oder Wanderschuhe. Der Boden ist uneben und der Weg kann nach Regen schlammig sein.
- Dauer: Planen Sie 1–1,5 Stunden einschliesslich Aufstieg, Erkundung und Rueckweg.
- Kombinieren mit: Skadarsee Suedufer (Murici) oder der Alte Olivenbaum — beide von derselben Strasse erreichbar.